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Freitagsfüller #206 – Schreiben übers Schreiben

Es könnte, wenn man sich mal an die Denkweise gewöhnt hat, echt einfach sein, ein Buch zu schreiben. Ich lese selber viel. Ich höre gelegentlich Hörbücher. Inzwischen schreibe ich ja tatsächlich, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Ich höre einem guten Freund und Kollegen zu, der inzwischen an seinem dritten Roman arbeitet. Und der hat mir einen alten Floh wieder ins Ohr gesetzt: seit Jahren will ich selbst mal was Großes schreiben, aber es ist nicht so einfach. Die ersten Ideen sind da. Ein Krimi soll es werden. Etwas Mystisches soll rein. Etwas Ungewöhnliches. Und, wenn es passt, ist auch ne satte Portion schwarzer Humor höchst willkommen. Nur, wie?

Ich will jetzt nicht jammern. Die ersten Strukturen stehen. Ich finde nur noch nicht den Dreh, alles passend zusammenzuführen. Ein gutes Gerüst zu bauen, an dem die Story dann hochklettern kann, fällt schwerer, als ich dachte. Aber was mache ich mir ins Hemd? Ich habe nicht den Anspruch, große Kunst zu erschaffen (wenn man den Anspruch hat, davon bin ich überzeugt, bleibt die Kreativität völlig auf der Strecke, und davon habe ich normalerweise überreichlich). Und ich habe keine Angst davor, was hinterher eventuelle Leser sagen könnten. Einigen wird es gefallen, anderen nicht. Ganz normal. Über Lob freue ich mich, Kritik nehme ich mir auch gerne an, und Nörgler esse ich gerne zum Frühstück.

Heute habe ich frei. Es ist ein bißchen Zeit, sich hinzusetzen und den Haufen an Ideen, der sich mittlerweile schon aufdrängt, mal in Form zu bringen. Wenn mir heute dann nicht die Wahnsinnsidee kommt, dann vielleicht morgen. Ich bin immerhin nicht darauf angewiesen, finanziell oder so, bis nächste Woche einen „Paten“, den „Herrn der Ringe“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ neu zu erfinden. Und das ist auch gut so.

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den ersten Tarantino, den ich im Kino sehe (wurde verd***t noch mal Zeit), morgen habe ich Frühdienst und Sonntag möchte ich einfach nur noch mehr Sonne. Und vielleicht auf die oben angesprochene Idee kommen.

Rock on!

Cpt.Metal

 


Freitagsfüller #202

Am Rosenmontag gibt es eigentlich nur Hell oder Dunkel für mich: Entweder, Karneval wird richtig gefeiert, in Maske und Kostüm, mit Kamelle, Schunkelei und Bützje, kurz: im Rheinland. Oder ich will von dem ganzen Kram nichts mitkriegen. Echt nicht. Ich denke, um dieses Fest angemessen zu feiern, braucht es die richtige Mentalität, wie sie den Menschen in Köln, in Düsseldorf, in Mainz im Blute liegt. Alles andere ist ein schwachsinniger Abklatsch, eine blöde Ausrede für Alkoholismus in der Öffentlichkeit, ein lahmes, primitives Gewichse. Ich freue mich an solchen Tagen über jeden, der Karneval mit einer ähnlichen Einstellung angeht wie ich. Leider gibt es in meiner Stadt so wenige davon. Früher dachte ich noch: Dafür, dass wir so weit (ca. 70 km) vom Rhein entfernt sind, ist zu Karneval eigentlich ganz gut was los hier. Heute sehe ich das anders. Ich möchte jedem, der einen Trinkhelm (ihr wißt schon, wo man Bierdosen anklipst, von denen aus dann Schläuche in die Visage führen, damit man beim Saufen die Hände frei hat) für eine angemessene Verkleidung hält, einfach nur in seine fröhliche Fresse hauen. Mach ich aber nicht. Weil ich ein friedliebender Mensch bin.

Einer meiner Träume ist trotz allem Frust, den ich wegen Karneval hierzulande erlebe, das Fest einmal richtig zu feiern. Mit ein paar Freunden, in guten, ausgefeilten, kreativen Kostümen, vielleicht unter einem gemeinsamen Motto, und dann ruhig und friedlich durch die Düsseldorfer (sorry Köln, aber euer  Zeug schmeckt mir nicht) Altstadt zu ziehen, sich nicht über das Maß zu betrinken, und keinem mehr als unbedingt nötig auf den Sack zu gehen. Kann bestimmt total gut werden, hab ich aber in der Form tatsächlich noch nicht erlebt. Und wenn man es nicht hinschafft, wäre Schnarchen die passende Alternative. Einfach rechtzeitig vorher einpennen, bis der ganze nachgemachte Irrsinn, der hier Karneval genannt wird, vorbei ist. Man hat sich in meiner Stadt vor ein paar Jahren sogar einen eigenen, hochnotpeinlichen Karnevalsausruf ausgedacht, um auch irgendwie jeck zu sein. Womit hab ich das verdient?

Woher kommt eigentlich der Ausdruck „Karneval“? Irgendwoher schwappt mir ein Zusammenhang mit Fleischfresserei („carne“) im Gedächtnis herum, ich weiß aber nicht, ob das stimmt oder auch nur einen tatsächlichen Bezug hat. Wenn nicht, könnte man einen herstellen. Eine Geschichte darüber schreiben, dass sich die Teilnehmer eines Karnevalsumzugs in menschenfressende Zombies verwandeln? Klingt nach nem Plan …

Zombiewalks werden in immer mehr Städten abgehalten, wie eine Art Kontrastprogramm zu Karneval. Ohne Sauferei, und ohne andere Leute anzupöbeln, dafür mit ausgefeilten Verkleidungen. „Be undead, be polite“. Find ich gut.

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den Besuch meiner Tochter , morgen habe ich ein gutes Frühstück geplant und Sonntag möchte ich wahrscheinlich Trinkhelmträger umschubsen!


Freitagsfüller #200

Durch Galadrin bin ich erstens zum Bloggen und zweitens zu dem Phänomen der Freitagsfüller gekommen. Wie die Jungfrau zum Kind, sozusagen. Ach, häßliche Klischees! An diesem hier möchte ich mich, in Form einer Fingerarbeit, mal versuchen … auch wenn es Montag ist, und damit im Grunde der ungemütliche, lästige Gegenpol zum Freitag. Das genaue Gegenteil. Das falsche Ende der Woche, so wie die Zigarette, die man am orangen Ende anzündet und für eine halbe Sekunde genussvoll daran zieht, bevor einen das kalte Kotzen überkommt. Nein, ich mag Montage nicht besonders. Und dieser hier, verregnet und grau, tut sein Bestes, meine Vorurteile zu füttern. Also erwartet bitte keinen Chaucer …

Eigentlich habe ich keine Angst im Dunkel. Ich hatte nie Schwierigkeiten damit, in den Keller zu gehen, auch nachts nicht. Oder damit, nach Einbruch der Finsternis nochmal durch meine fünfzig Quadratmeter zu gehen, um etwas zu trinken oder die Toilette aufzusuchen. Ich meine, ich kenne meine Wohnung, ich schaffe es selbst betrunken unfallfrei überallhin und finde alles, was ich brauche, nach spätestens sechs Minuten. Jetzt bin ich nicht betrunken, nur sehr müde. Ich liege im Bett, es ist warm, und im Grunde muss ich auch nirgends mehr hin. Trotzdem sitzt mir die Angst im Nacken, wie ein Alpdruck, der noch nicht geträumt ist. Den Grund dafür spüre ich an meiner rechten Hand. Ich pflege vor dem Schlafen noch ein wenig zu lesen, und gestern habe ich ein Buch begonnen, dessen subtiles Grauen sich mit unter meine Decke schleicht. Shining, von Stephen King. Der abgegriffene Pappeinband liegt neben meinem Kissen, und ich halte mich noch daran fest. Was ich bislang gelesen habe, auch von ihm, hat mich zwar oft beeindruckt, manchmal belustigt, aber nie so verängstigt . Ich bin siebenundzwanzig, und traue mich nicht, das Licht zu löschen. Was mir passieren soll, könnte ich niemandem beantworten. Aber wie zu den Zeiten, als unter dem Bett noch Monster wohnten, scheinen nun die Holzmaserungen  sich zu Gesichtern zu formen, und das Licht der Straßenlaterne vor meinem Fenster, das sich in einem Teeglas bricht, scheint zu funkelnden, lauernden Augen zu mutieren, die nur auf meinen Schlaf warten, um sich auf mich zu stürzen. Ich nehme meinen Mut zusammen und drücke den Schalter. Doch heute geht nicht einfach das Licht aus, sondern die Dunkelheit geht an.  Wartet. Lauert auf den Moment, da ich die Augen schließe. Es ist spät am Abend, 23:51, und ich trau mich nicht. Fast krampfhaft halte ich mich wach, fürchte mich vor jedem Schatten, und hier im Zimmer sind im Moment überreichlich davon. Vielleicht sollte ich mich bewaffnen, denke ich mir. Das lange Messer aus der Küchenschublade holen, mit unter die Decke nehmen und sehen was passiert. Sollen sie kommen! Ich ertappe mich dabei, wie ich durchatme und bis zweiundvierzig zähle, bevor ich aufstehe. Reiß dich zusammen, Mann! Als ich mich aufsetze und angriffslustig in die Schatten starre, wütend das Teeglas fixiere, beschließe ich, heldenmütig zu sein und das Licht nicht anzumachen, auf dem Weg in die Küche. Es ist meine Wohnung, verdammt! Was zum Henker soll schon? Ich schwinge die nackten Füße aus dem Bett und husche zur Tür, komme drei Schritte weit, als mich ein Schatten erwischt und erbarmungslos sein kreisrundes Gebiss in meine rechte Sohle schlägt. Schon schweißgebadet, schreck- und schmerzerfüllt, lande ich auf dem Teppich. Meine Hand tastet an der Wand nach oben, findet den Lichtschalter über dem Wandschwein, die Dunkelheit geht aus, und wimmernd taste ich nach dem Dämon in meinem Fuß. Dem Biest aus den Schatten. Dem Teufel aus … Weißblech? Dem Kronkorken, den ich gestern zu faul war, wegzuräumen? Offensichtlich. Als ich in die Küche humpele, um das verrotzte Ding wegzuschmeißen und nachzusehen, ob es im Kühlschrank noch Geschwister hat, die volle Flaschen verschließen, muss ich leise lachen.

Das Jahr 2012 hielt solcherlei literarische Überraschungen nicht mehr bereit. Vielleicht, weil ich in diesem jahr nichts von King gelesen habe. Hunter S. Thompson hat mich durch 2012 ein gutes Stück begleitet, Colfer, und Berndorf. Ist auch kein echter Stoff zum Fürchten dabei, wenn man genauer darüber nachdenkt. Bin ich in jener Nacht etwas feige geworden? Vielleicht. Du weisst, dass du alt bist, wenn du darüber nachdenkst, wie es mal zu Ende gehen soll. Alte Elefanten humpeln in die Berge, um zu sterben. Alte Amerikaner schwingen sich auf die Landstraße und fahren sich in riesigen Autos zu Tode. Das ist aus Thompson. Ich mag die Berge nicht, und an zu großen Autos habe ich auch noch kein Interesse. Von daher bin ich vermutlch noch nicht alt. Allerdings bin ich auch weder Elefant noch Amerikaner. Von daher humpelt jetzt dieser Vergleich ein wenig. Trotzdem hat er Spaß gemacht. Und den Freitagsfüllern werde ich eine Zeitlang treu bleiben. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine angenehme Nachtschicht, morgen habe ich nichts geplant und Sonntag möchte ich nach einem Heimsieg meiner Mannschaft einen kleinen Kater pflegen. Und meinen Hund!

Captain Metal