Monatsarchiv: Juni 2013

Dark Rain City

Es ist einige Jahre her, dass ein Freund von mir, der zusammen mit einem Kollegen bei der Drogenfahndung arbeitete, eine Idee hatte. In dieser ging es um eine Droge, die die Konsumenten zu Zombies macht.

Es ist einige Monate her, dass ich mit diesem zusammen eine weitere Idee hatte. In dieser ging es um eine Geschichtensammlung, in der eine Stadt am Rande des Zusammenbruchs die Hauptrolle spielt. Dark Rain City war geboren.

Es ist einige Wochen her, dass beide Ideen zusammenkamen. Das Projekt heißt „Dark Rain City“, das Thema heißt Zombiedroge, das Format wird eine Anthologie, der Autoren sind vier, das Besondere daran wird sein, dass ein eigens hinzugezogener Zeicher Teile davon illustrieren wird. Und wenn uns der Teufel reitet, sprechen wir das Ganze noch hörbuchmäßig ein.

Es ist einige Tage her, dass mein Beitrag zu diesem Projekt fertig geworden ist. Hier ist ein Ausschnitt. Ein Teaser. Ein Happen für die Meute. Eine Perle vor die Säue. Get greedy!

>>Als Pat sich umdrehte, sah er einen düsteren Mexikaner allein an einem Tisch in der Ecke sitzen. Anhand von Moses´ Beschreibung erkannte er den Mexikaner sofort, obwohl der seinen Hut tief ins Gesicht gezogen hatte. Schwarzer Mantel, schwarzer Hut, darunter ein schwarzer Bart, der zu drei Zöpfen geflochten war. Die schwarze Lederhose steckte in völlig unpassenden hellen Wildlederstiefeln mit bunten, dreieckigen mexikanischen Stickereien. Das musste er sein. Auf dem Weg zu seinem Tisch musste Pat nur über zwei Schnapsleichen steigen.

Pueblo?“

Wer will das wissen?“

Murphy. Wir haben einen gemeinsamen Bekannten. Der hat mir Ihre Karte gegeben und gesagt, dass Sie mir bei einem Job weiterhelfen können.“

Daumen und Zeigefinger des Mexikaners krochen aus dem Ärmel hervor und lüfteten die Hutkrempe. Pueblo musterte den Iren von oben bis unten.

Murphy, eh?“ Pueblo spuckte auf den Boden. „Pass auf, chico, du siehst aus, als wärst du neu in der Stadt. Bevor ich mit Einzelheiten rausrücke, pflanz deinen Arsch hin, und hör zu. Das hier ist Dark Rain City, Cabrone, und kein Vorgarten in Scheißohio. Das ist nichts für maricas. Und das sind die Regeln…“

Pat pflanzte seinen Arsch hin. Er nahm einen weiteren Zigarillo aus seinem silbernen Etui, schob ihn in seinen Lieblingsmundwinkel, kramte nach Streichhölzern und riss sein Letztes an Pueblos Stiefelsohle an. Der Stiefelsohle, die keine Sekunde später derart heftig gegen den Stuhl trat, dass Pat lang auf dem Nachbartisch einschlug.

Der ganze Laden war vor Schreck in Stille erstarrt. Alle starrten ihn an. Alle starrten Pueblo an. Alle starrten die Stiefel an. Einige, die ausreichend Sicherheitsabstand zu dem Geschehen hatten oder gut genug bewaffnet waren, begannen verstohlen zu tuscheln. Pat meinte Dinge zu hören wie: „Hat der lebensmüde Irre gerade seine Stiefel angefasst?“, „Wofür hält sich der Typ, Batman oder so?“, „Kennt einer nen billigen Bestatter?“ und „Get the fuck out of here!“ Stühle wurden gerückt. Der Wirt brachte mit vorsichtigen Bewegungen die wertvolleren Flaschen in Sicherheit. Pat stellte fest, dass sein Streichholz trotz der ziemlich abrupten Beschleunigung noch brannte, und zündete seinen Zigarillo an. Der Einfachheit halber blieb er liegen, wo er war.

Regel eins, chico: Fass nicht meine Stiefel an.“<<