Freitagsfüller #203

Der folgende Freitagsfüller ist reine Spinnerei! Ich mache mir keine Illusionen, dass die beschriebene Handlung so nicht machbar ist und empfehle niemandem, mir das Gegenteil beweisen zu wollen! Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und Gebäuden sind ausdrücklich beabsichtigt, Abweichungen davon auch, wobei diese nur den Zweck erfüllen, eine Kurzgeschichte, die den Umfang einer A4-Seite nicht überschreiten soll, ans Laufen zu bringen. Denen, die mit dieser Art Humor etwas anfangen können, viel Spaß, und denen, die nicht: Bitte seid mir nicht böse.

>>Es schneit. Hier! Das muss das erste Mal seit Jahrzehnten sein, dass es hier, auf rund 42° nördlicher Breite, schneit. Das hat den Vorteil, dass heute kaum etwas los ist. Es sind keine Touristen hier, und selbst die Wachen staunen eher über die Wetterlage und kriegen Heimweh deswegen, als dass sie ernsthaft aufmerksam sind. Nachteil ist, dass jeder meiner Schritte zu sehen ist. Drecksschnee! Angespannt hocke ich in einem Mauerwinkel, halb von einem fast kahlen Gestrüpp verborgen, und überdenke meine Situation. Vielleicht sollte ich wann anders wiederkommen. Meinen Plan bei trockener Witterung durchzuziehen, wäre bestimmt die bessere Alternative. Aber weiß ich denn, ob es jemals wieder so leicht sein wird, auf ausgerechnet dieses Gelände zu kommen? Nein, eindeutig nicht. Heute, oder nie!

Ein Grund, warum ich das hier tue, ist Neugier. Ich habe nicht die Absicht, als Attentäter in die Geschichte einzugehen – mein Ziel macht es eh nicht mehr lange, ist alt und schwach, wie er selbst sagt. Wäre ich ein Attentäter, und würde ich das Ding hier bis zu einem bösen Ende durchziehen, ich würde mich nur lächerlich machen, und hinterher als Erzfeind von Milliarden dastehen. Darauf kann ich verzichten. Nein, ich will einfach wissen, ob es machbar ist. Einen bizarren, nie dagewesenen Witz durchziehen, und vielleicht hinterher YouTube – Millionär werden. Ich checke meine Ausrüstung. Stirnleuchte und -kamera, der Gebäudeplan, zuletzt die beiden knapp faustgroßen, ovalen Objekte in der Gürteltasche. Alles am Platz und bereit. Los geht’s!

Ich passe die nächste Runde der Wachen ab, husche zwischen Säulen und fein manikürten Sträuchern hin und her und stehe Sekunden später an einer Seitentür. Am schwierigsten ist, mir das Lachen zu verkneifen. So leicht! Wachen, denke ich, sind immer dann aufmerksam, nachdem etwas passiert ist, nicht vorher, nicht bei diesem Schweinewetter! Und diese hier bilden da keine Ausnahme.

Ich warte fiebrig, hinter einer Säule, den nächsten Moment ab, in dem sie außer Sicht sind. Rücke mit schweißnassen Händen meine Ausrüstung zurecht. Dann fingere ich eines der eiförmigen Dinger aus der Tasche, fast rutscht es mir aus den Händen, ich halte es fest, ziehe den Splint und schleudere die Rauchgranate mit aller Kraft in Richtung eines Nebengebäudes, zur Ablenkung. Blitzschnell bin ich im toten Winkel hinter der Tür verschwunden, als das Ding hochgeht. Gerade rechtzeitig! Sekunden nach dem Knall fliegt die Tür auf, und zwei Uniformierte rennen Richtung Rauch, als sei der Teufel hinter ihnen her! Bevor die Tür zufällt, bin ich drin. Messingpfosten mit roten Kordeln, marmorne Böden, unfassbarer Reichtum und Gepränge überall um mich herum. Predigt der Hausherr nicht Bescheidenheit? Ich habe Glück, dass eine Tür in meiner Nähe offensteht. Eine Besenkammer, wie sich herausstellt. Gerade teure Böden wollen ja gepflegt sein! Ich ziehe den Touristenführer aus der Tasche, orientiere mich kurz, luge aus der Tür und sprinte den Gang entlang. Kein Mensch weit und breit! Die stehen draußen und starren wie die Weltraumaffen in den Qualm, kratzen sich höchstens am Kopf, wo denn der nächste Feuerlöscher steht.

Unter dem atemberaubendsten Deckengemälde der Welt erlaube ich mir eine kurze Pause, um dem Auge meiner Stirnkamera auch was Schönes zu gönnen. Dann geht’s weiter, schnell! Ein Seitengang jenseits der roten Kordeln, extra mit vielsprachigen Schildern versehen, die besagen, dass Touristen hier verdammt nochmal nichts verloren haben. Ich höre rennende Schritte und helle Aufregung in weiter entfernten Teilen des Komplexes, bleibe hier aber unbehelligt. Renne auf leisen Sohlen weiter. Schaue schnell in jeden Raum. Büroräume. Der Verwaltungsapparat eines der größten Wirtschaftsunternehmen der Welt, wenn man so will. Eine Küche. Ah, endlich! Vor einer Tür bleibe ich stehen. Hole Luft, bin nervös bis in die Haarspitzen! Lese das dezente Schild an der Tür, lasse die Kamera mitlesen.

„Der heilige Stuhl“. Und hinter der Tür vernehme ich leise, aber eindeutige Geräusche. Mein Informant hatte recht. Um elf ist hier immer besetzt. Ich greife in meine Tasche, hole das andere Ding heraus, atme durch, und öffne die Tür mit einem Ruck.

Der Papst sitzt drei Meter vor mir, höchst privat beschäftigt, mit hochgeschobenem Gewand, angestrengtem rotem Gesicht, und schaut mich mit großen Augen an. Kriegt vor Überraschung und Entsetzen keinen Ton raus. Nicht mal, als ich meine rechte Faust erhebe, den Blick immer auf ihn gerichtet, und ihm schwungvoll aus kurzer Distanz das rohe Ei ins Gesicht werfe. Volltreffer! Und alles auf Band!

Ich mache auf dem Absatz kehrt und renne zurück, was das Zeug hält. „Und Händewaschen nicht vergessen!“ rufe ich noch. Wird er verstehen. Ist ja Deutscher. Ich schaffe es auf gleichem Wege wieder raus. Dass jemand diese Geschichte, so kurz vor seinem Amtsabtritt, an die große Glocke hängen wird, bevor ich das tue, kann ich mir nicht vorstellen.<<

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen Besuch bei meinem besten Freund, morgen habe ich einen Spielabend geplant und Sonntag möchte ich sehen, ob meine Mannschaft mal wieder eine Überraschung bei einem Favoriten schafft!

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