Freitagsfüller #202

Am Rosenmontag gibt es eigentlich nur Hell oder Dunkel für mich: Entweder, Karneval wird richtig gefeiert, in Maske und Kostüm, mit Kamelle, Schunkelei und Bützje, kurz: im Rheinland. Oder ich will von dem ganzen Kram nichts mitkriegen. Echt nicht. Ich denke, um dieses Fest angemessen zu feiern, braucht es die richtige Mentalität, wie sie den Menschen in Köln, in Düsseldorf, in Mainz im Blute liegt. Alles andere ist ein schwachsinniger Abklatsch, eine blöde Ausrede für Alkoholismus in der Öffentlichkeit, ein lahmes, primitives Gewichse. Ich freue mich an solchen Tagen über jeden, der Karneval mit einer ähnlichen Einstellung angeht wie ich. Leider gibt es in meiner Stadt so wenige davon. Früher dachte ich noch: Dafür, dass wir so weit (ca. 70 km) vom Rhein entfernt sind, ist zu Karneval eigentlich ganz gut was los hier. Heute sehe ich das anders. Ich möchte jedem, der einen Trinkhelm (ihr wißt schon, wo man Bierdosen anklipst, von denen aus dann Schläuche in die Visage führen, damit man beim Saufen die Hände frei hat) für eine angemessene Verkleidung hält, einfach nur in seine fröhliche Fresse hauen. Mach ich aber nicht. Weil ich ein friedliebender Mensch bin.

Einer meiner Träume ist trotz allem Frust, den ich wegen Karneval hierzulande erlebe, das Fest einmal richtig zu feiern. Mit ein paar Freunden, in guten, ausgefeilten, kreativen Kostümen, vielleicht unter einem gemeinsamen Motto, und dann ruhig und friedlich durch die Düsseldorfer (sorry Köln, aber euer  Zeug schmeckt mir nicht) Altstadt zu ziehen, sich nicht über das Maß zu betrinken, und keinem mehr als unbedingt nötig auf den Sack zu gehen. Kann bestimmt total gut werden, hab ich aber in der Form tatsächlich noch nicht erlebt. Und wenn man es nicht hinschafft, wäre Schnarchen die passende Alternative. Einfach rechtzeitig vorher einpennen, bis der ganze nachgemachte Irrsinn, der hier Karneval genannt wird, vorbei ist. Man hat sich in meiner Stadt vor ein paar Jahren sogar einen eigenen, hochnotpeinlichen Karnevalsausruf ausgedacht, um auch irgendwie jeck zu sein. Womit hab ich das verdient?

Woher kommt eigentlich der Ausdruck „Karneval“? Irgendwoher schwappt mir ein Zusammenhang mit Fleischfresserei („carne“) im Gedächtnis herum, ich weiß aber nicht, ob das stimmt oder auch nur einen tatsächlichen Bezug hat. Wenn nicht, könnte man einen herstellen. Eine Geschichte darüber schreiben, dass sich die Teilnehmer eines Karnevalsumzugs in menschenfressende Zombies verwandeln? Klingt nach nem Plan …

Zombiewalks werden in immer mehr Städten abgehalten, wie eine Art Kontrastprogramm zu Karneval. Ohne Sauferei, und ohne andere Leute anzupöbeln, dafür mit ausgefeilten Verkleidungen. „Be undead, be polite“. Find ich gut.

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den Besuch meiner Tochter , morgen habe ich ein gutes Frühstück geplant und Sonntag möchte ich wahrscheinlich Trinkhelmträger umschubsen!

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