Freitagsfüller #201

Ich verstehe nicht, wie viele Personen, selbst solche, die ansonsten eigentlich total intelligent sind, tatsächlich an einen Gott glauben. Egal, wie sie ihn nennen, Allah, Gott, JHWH, im Grunde bleibt es das Gleiche: eine Ansammlung von Phrasen, die in einem Buch stehen, das irgendjemand mal heilig genannt hat, und die einem vorschreiben sollen, wie man sein Leben zu leben hat, gepaart mit präzisen Anweisungen, wie mit denen zu verfahren ist, die ihrem unsichtbaren Freund einen anderen Namen geben. Wenn man Gläubige zu hinterfragen versucht, erntet man haufenweise entrüstete Blicke a la „So was fragt man nicht“. Warum nicht? Darum nicht! Und weiter kommt man nicht. Auf der anderen Seite werden im Namen eines Gottes (egal welchem) die unfaßbarsten Schandtaten begangen. Ich erspare mir jetzt die Mühe, diese aufzählen zu wollen. Das erledigen die Medien, wenn man ein bißchen hinguckt. Für irgendwas müssen sie ja gut sein. Und gerechtfertigt werden diese Greuel, wie Kreuzzüge, Kindesmißbrauch, Hexenverbrennungen, Selbstmordattentate, Beschneidungen an Mädchen, Zölibat, Steinigungen für das Verbrechen, zwei Zentimeter nackte Haut zu zeigen, (verdammt, ich wollte keine Aufzählung beginnen!) immer mit dem „Willen Gottes“. Also, wenn es einen Gott gibt, und er so was tatsächlich will, kann er mich mal hacken. Die Methoden und Rechtfertigungen sind alt, nur die Wege, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, sind neu im Zeitalter von Facebook und Fotohandys. Moderne Technik ist eben nicht nur ein Fluch …

Das Problem kalte Füße kennen ja diejenigen, die angeblich den Willen Gottes auf Erden vertreten, auch nicht. Laut deren massenhaft postulierter Aussage werden sie im Jenseits eh sündenfrei sein und im Paradies abhängen, weil vor knapp zweitausend Jahren ein Mensch an einen Balken genagelt wurde, der den Leuten erzählt hat, wie toll er es fände, wenn ausnahmsweise mal alle nett zueinander wären. Oder man darf nach seinem Ableben 72 Jungfrauen einreiten, je nachdem. Wobei ich mir die Frage stellen muss, warum man zu Lebzeiten keusch und sündenfrei sein soll, um dann im Jenseits ne Riesenorgie starten zu dürfen. Anstatt Glauben Glauben sein zu lassen und schon im Diesseits menschlich mit seinen Planetenmitbewohnern umzugehen, wird immer noch darum gestritten, wer den cooleren unsichtbaren Freund hat. Imagine a world without religion, so hat John Lennon mal sinngemäß gesungen. Finde ich o.k., mal ganz davon ab, dass die Beatles musikalisch eh was ganz Besonderes waren.

Die Debatte um Götter und den Sinn oder Unsinn von Glauben, egal in welcher Form geführt, wird bedauerlicherweise zu nichts führen. Wenn man mit Gläubigen vernünftig reden könnte, bräuchte man es gar nicht. Wer sich von dem Gedanken freimacht, die Bibel (o.a.i.V.) nicht für bare Münze zu nehmen und statt dessen mal die Augen aufmacht, muss fast schon zwangsläufig erkennen, wie unglaublich lächerlich die Argumente sind, mit denen egal welche Kirche ihre Standpunkte zu stützen versucht. Doch nur den Versuch zu unternehmen, kann ich von einem Gläubigen kaum erwarten. Dafür sind sie zu verbohrt. Jedem Zweifler, jedem Wankenden, jedem, der sich die Frage nach dem Sinn von Religion mal gestellt hat, möchte ich „Der Gotteswahn“ von R. Dawkins, dem ich an dieser Stelle allen Respekt zollen möchte, wärmstens empfehlen. Die Gedankengänge darin haben mich vom Zweifler zu einem überzeugten, „radikalen“ Atheisten gemacht. Und das ist eine unglaublich (Wortspiel bemerkt?) erfrischende Perspektive auf das Leben. Wer es etwas leichter und kürzer mag, besorgt sich „Lachs im Zweifel“ von und über Douglas Adams und liest darin das Interview mit den American Atheists.

Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine entspannende Massage, morgen habe ich geplant, meiner Basketballmannschaft die Daumen zu drücken und Sonntag möchte ich ausschlafen. Mal sehen, ob der Hund mich läßt.

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3 responses to “Freitagsfüller #201

  • Marion

    Huhu Patrick,

    zu dem Thema fällt mir spontan etwas ein, was mein Bruder die Woche postete:

    Dear World,
    Religion is like a penis. It’s fine to have one and it’s fine to be proud of it, but please don’t whip it out in public and start waving it around… and PLEASE don’t try to shove it down my child’s throat.
    Sincerely, tired of hearing your religious guff

    Gibt es einen aktuellen Auslöser für den Post oder ist es eher so eine generelle genervtheit von der Situation da draussen?

    Liebe Grüße
    Marion

    • cptmetal

      Hi Marion,

      schön, von dir zu lesen! So richtig aktuell nicht … eher die Tatsache, dass mir die ganze Angelegenheit schon seit Jahren vage ein Stachel im Fleisch ist, und mir die Lektüre von Adams und Dawkins die Argumente geliefert hat, nach denen ich gesucht habe, um religiösen Menschen mehr als nur blöde Sprüche um die Ohren hauen zu können. Um mir die letzten Zweifel am Zweifel auszutreiben, war´s natürlich auch hilfreich.

      Wie steht´s um euch?
      Paddy

      • Marion

        Na ich denke auch mal das du in deinem Beruf auch immer wieder auf religiöse Kuriositäten triffst. Solingen ist ja gar nicht so weit von uns entfernt und wir wissen ja was sich da so rumtreibt. Ich persönlich denke, gerade was Religion angeht, leben und leben lassen sollte da Grundsatz sein. Das erwarte ich dann aber auch von meinem Gegenüber.

        Uns geht es aber soweit gut. Wuseln uns so durchs Leben, danke der Nachfrage. Bei dir auch soweit alles in Ordnung?

        Liebe Grüße
        Marion

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