Freitagsfüller #200

Durch Galadrin bin ich erstens zum Bloggen und zweitens zu dem Phänomen der Freitagsfüller gekommen. Wie die Jungfrau zum Kind, sozusagen. Ach, häßliche Klischees! An diesem hier möchte ich mich, in Form einer Fingerarbeit, mal versuchen … auch wenn es Montag ist, und damit im Grunde der ungemütliche, lästige Gegenpol zum Freitag. Das genaue Gegenteil. Das falsche Ende der Woche, so wie die Zigarette, die man am orangen Ende anzündet und für eine halbe Sekunde genussvoll daran zieht, bevor einen das kalte Kotzen überkommt. Nein, ich mag Montage nicht besonders. Und dieser hier, verregnet und grau, tut sein Bestes, meine Vorurteile zu füttern. Also erwartet bitte keinen Chaucer …

Eigentlich habe ich keine Angst im Dunkel. Ich hatte nie Schwierigkeiten damit, in den Keller zu gehen, auch nachts nicht. Oder damit, nach Einbruch der Finsternis nochmal durch meine fünfzig Quadratmeter zu gehen, um etwas zu trinken oder die Toilette aufzusuchen. Ich meine, ich kenne meine Wohnung, ich schaffe es selbst betrunken unfallfrei überallhin und finde alles, was ich brauche, nach spätestens sechs Minuten. Jetzt bin ich nicht betrunken, nur sehr müde. Ich liege im Bett, es ist warm, und im Grunde muss ich auch nirgends mehr hin. Trotzdem sitzt mir die Angst im Nacken, wie ein Alpdruck, der noch nicht geträumt ist. Den Grund dafür spüre ich an meiner rechten Hand. Ich pflege vor dem Schlafen noch ein wenig zu lesen, und gestern habe ich ein Buch begonnen, dessen subtiles Grauen sich mit unter meine Decke schleicht. Shining, von Stephen King. Der abgegriffene Pappeinband liegt neben meinem Kissen, und ich halte mich noch daran fest. Was ich bislang gelesen habe, auch von ihm, hat mich zwar oft beeindruckt, manchmal belustigt, aber nie so verängstigt . Ich bin siebenundzwanzig, und traue mich nicht, das Licht zu löschen. Was mir passieren soll, könnte ich niemandem beantworten. Aber wie zu den Zeiten, als unter dem Bett noch Monster wohnten, scheinen nun die Holzmaserungen  sich zu Gesichtern zu formen, und das Licht der Straßenlaterne vor meinem Fenster, das sich in einem Teeglas bricht, scheint zu funkelnden, lauernden Augen zu mutieren, die nur auf meinen Schlaf warten, um sich auf mich zu stürzen. Ich nehme meinen Mut zusammen und drücke den Schalter. Doch heute geht nicht einfach das Licht aus, sondern die Dunkelheit geht an.  Wartet. Lauert auf den Moment, da ich die Augen schließe. Es ist spät am Abend, 23:51, und ich trau mich nicht. Fast krampfhaft halte ich mich wach, fürchte mich vor jedem Schatten, und hier im Zimmer sind im Moment überreichlich davon. Vielleicht sollte ich mich bewaffnen, denke ich mir. Das lange Messer aus der Küchenschublade holen, mit unter die Decke nehmen und sehen was passiert. Sollen sie kommen! Ich ertappe mich dabei, wie ich durchatme und bis zweiundvierzig zähle, bevor ich aufstehe. Reiß dich zusammen, Mann! Als ich mich aufsetze und angriffslustig in die Schatten starre, wütend das Teeglas fixiere, beschließe ich, heldenmütig zu sein und das Licht nicht anzumachen, auf dem Weg in die Küche. Es ist meine Wohnung, verdammt! Was zum Henker soll schon? Ich schwinge die nackten Füße aus dem Bett und husche zur Tür, komme drei Schritte weit, als mich ein Schatten erwischt und erbarmungslos sein kreisrundes Gebiss in meine rechte Sohle schlägt. Schon schweißgebadet, schreck- und schmerzerfüllt, lande ich auf dem Teppich. Meine Hand tastet an der Wand nach oben, findet den Lichtschalter über dem Wandschwein, die Dunkelheit geht aus, und wimmernd taste ich nach dem Dämon in meinem Fuß. Dem Biest aus den Schatten. Dem Teufel aus … Weißblech? Dem Kronkorken, den ich gestern zu faul war, wegzuräumen? Offensichtlich. Als ich in die Küche humpele, um das verrotzte Ding wegzuschmeißen und nachzusehen, ob es im Kühlschrank noch Geschwister hat, die volle Flaschen verschließen, muss ich leise lachen.

Das Jahr 2012 hielt solcherlei literarische Überraschungen nicht mehr bereit. Vielleicht, weil ich in diesem jahr nichts von King gelesen habe. Hunter S. Thompson hat mich durch 2012 ein gutes Stück begleitet, Colfer, und Berndorf. Ist auch kein echter Stoff zum Fürchten dabei, wenn man genauer darüber nachdenkt. Bin ich in jener Nacht etwas feige geworden? Vielleicht. Du weisst, dass du alt bist, wenn du darüber nachdenkst, wie es mal zu Ende gehen soll. Alte Elefanten humpeln in die Berge, um zu sterben. Alte Amerikaner schwingen sich auf die Landstraße und fahren sich in riesigen Autos zu Tode. Das ist aus Thompson. Ich mag die Berge nicht, und an zu großen Autos habe ich auch noch kein Interesse. Von daher bin ich vermutlch noch nicht alt. Allerdings bin ich auch weder Elefant noch Amerikaner. Von daher humpelt jetzt dieser Vergleich ein wenig. Trotzdem hat er Spaß gemacht. Und den Freitagsfüllern werde ich eine Zeitlang treu bleiben. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine angenehme Nachtschicht, morgen habe ich nichts geplant und Sonntag möchte ich nach einem Heimsieg meiner Mannschaft einen kleinen Kater pflegen. Und meinen Hund!

Captain Metal

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5 responses to “Freitagsfüller #200

  • Kyralla

    Huhu Paddy.

    Willkommen in der Welt der Blogger.

    Eine schöne Geschichte hast du geschrieben. So manches Mal ging es mir nach einem Stephen King Roman auch so ähnlich. Vor allen Dingen bei „ES“.

    Ganz lieben Gruß und viel Spaß mit dem Wauzi 🙂

  • Mark Fahnert

    Huhu…

    Schön, dass du dich nun auch den Freitagsfüllern widmest. Die Geschichte ist cool… Für meinen Geschmack zu viele , und zu wenig . – aber jeder so, wie er mag. Die Bilder sind schön, die du zeichnest…

    Rock on
    Mark

  • Muriel

    The Shining, ei.
    Nee, das hab ich irgendwann einfach nicht weitergelesen, wegen nicht mehr auszuhaltender, schon körperlich schmerzhafter Langeweile.
    Aber Geschmäcker sind halt verschieden.

    • cptmetal

      Ich hab auch mehr als eins von Stephen King weggelegt, aus ähnlichen Gründen. Bei Shining hatte ich damals zuerst den ziemlich großartigen Film gesehen, und mir ein paar Wochen später das Buch geliehen. Die Reihenfolge war nicht verkehrt, wie sich herausstellte. Langwierig, stellenweise, ja, aber mich hat´s dennoch gepackt. Danke für den Kommentar, jedenfalls!

      • Muriel

        Ja, über den Film hab ich auch viel Gutes gehört.
        Ich fand ihn trotzdem unerträglich, aber manchmal ist mein Geschmack auch ein bisschen komisch.

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